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Über "oneness" und Empathie im Kontext von WIYS

Christian Assel, April 2011


Die Fähigkeit, die wir auch als Empathie bezeichnen, ist schon über 2500 Jahre alt. Eine Fähigkeit, welche offenbar geeignet ist, ein Gefühl, oder Mit-Gefühl für alles und Jeden zu haben, egal was, wann oder wie. Die Methode selbst, ob sie nun Walking-in-your-shoes oder Familienaufstellung heißt, ist nur die besondere Art, die Fähigkeit der Empathie für das Wachstum und Selbsterfahrung des Teilnehmers zu nutzen.

Schon die Ureinwohner Nordamerikas haben diese Fähigkeit ganz selbstverständlich genutzt. Nicht nur um zu heilen und Entscheidungen der Stammesältesten zu treffen, sondern auch zum Verständnis für Mensch und Tier. Wenn die Krieger abends am Feuer saßen und zeigen wollten, wie z. B. der Bär sie bei der Jagd angriff, sind sie kurzerhand selbst zum Bären geworden, um die gefährliche Situation den anderen "wirklich" deutlich zu machen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Beteiligten sogar erraten konnten, welcher Bär es genau gewesen war, also ob es z. B. der Bär aus der Höhle in den nördlichen Bergen war, oder der Bär auf der anderen Seite des Flusses.

Auch für den Buddhismus spielt Empathie oder "Einssein" seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle. Buddhisten sind sich sicher, dass alles in der Welt zusammengehört, dass alles Eins ist. Eine offene, innere, mitfühlende Haltung ist ihnen hierbei von großer Bedeutung.

Tich Nhat Hanh – ein bedeutender Buddhist aus Thailand schreibt hierzu: "Denke nicht, dass dein derzeitiges Wissen unveränderlich und die absolute Wahrheit ist. Vermeide es, engstirnig und an deine gegenwärtigen Ansichten gebunden zu sein. Lerne und praktiziere den Weg des Nichtanhaftens an Ansichten, um für andere offen zu sein und ihre Standpunkte respektieren zu können. Die Wahrheit ist nur im Leben und nicht in vorgeformten Wissen zu finden. Sei bereit, das ganze Leben hindurch zu lernen und die Wirklichkeit in dir selbst und in der Welt unablässig zu beobachten. [...] Schaffe dir keinen Götzen in Form von Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien und hänge diesen nicht an. Alle Denksysteme sind Hilfsmittel zur Orientierung und keine absoluten Wahrheiten."

Die Achtsamkeit ist für das Einssein als geistige Haltung grundlegend. Thich Nhat Hanh schreibt:
"Achtsamkeit ist die Kunst, in jedem Moment „geistig präsent“ zu sein und somit „voll und ganz in der Gegenwart“ zu leben. Aufgrund bestimmter Eigenheiten psychischen Reagierens des Menschen ist dazu das stetige aktive Bemühen erforderlich, jeden einzelnen Augenblick des Tages in gleichbleibend hoher Wachheit mit absichtlich aktivierter Aufmerksamkeit bewusst wahrzunehmen.

Auch schon im antiken Griechenland erkannten Philosophen das Einssein.
Mit Heraklit erreichte die vorsokratische Philosophie ihren ersten Höhepunkt. Kennzeichnend für seine Philosophie ist die verborgene Einheit von Gegensätzen, die Identität im Gegensatz. Heraklit führt an, dass dasselbe sich übergangslos als ein anderes zeigt, seine Aspekte völlig wechselt, beziehungsweise ganz verschieden, ja entgegengesetzt aussieht. In Heraklits Augen zeigt sich hieran, dass das andere schon immer mit da, auch ohne die Veränderung mitgegenwärtig ist.


Der WIYS Prozess:

Wenn Du schon einmal Stellvertreter bei einem Walking-in-your-shoes Kurs oder bei einer Familienaufstellung gewesen bist, dann hast Du sicher auch festgestellt, dass sich Deine Wahrnehmung verändert, sobald Du eine Rolle übernimmst. Als Du zuvor noch auf Deinem Stuhl saßt, vielleicht gerade noch Pausen-Kaffee getrunken, und Dich mit anderen Teilnehmern in der Pause ausgetauscht hast, da dachtest Du eventuell noch an all die Dinge, die Du nach dem Kurs-Wochenende noch tun wirst. Z. B. hast Du daran gedacht, dass Dein Auto einen neuen Abgastest braucht, der Kühlschrank muss abgetaut werden und Du musst dringend noch eine Zugfahrkarte kaufen.

Doch dann wirst Du von jemandem aus dem Kurs für eine Rolle ausgewählt. Du machst Dich bereit, Dich dafür in den Dienst nehmen zu lassen und bist offen für das, was es dort zu entdecken gibt. Es geht los. Jetzt - scheinbar plötzlich - spielt alles, was Du zuvor gedacht hast, und alles, was Dich ausgemacht hat, keine Rolle mehr. Wie aus dem Nichts wird der "Programmschalter" auf Deinem inneren "Fernseher" betätigt, und Du beginnst Dinge wahrzunehmen, die vorher noch nicht da waren. Vielleicht zieht es Dich, wie eine Hand aus dem Boden, nach unten auf den Teppich. Vielleicht bemerkst Du plötzlich, dass Du schon eine Weile nach oben schaust und etwas suchst. Vielleicht wirst Du auf einmal traurig oder heiter, aggressiv oder schüchtern, Du gehst einen bestimmten Weg oder hast einen besonderen Gang - vieles ist Dir jetzt klar und präsent, was zuvor noch nicht da war.


Folgende Fragen können auftauchen:

Ist das, was in einer Rolle wahrgenommen wird Schauspielerei, erfunden und ausgedacht, zufällig oder beliebig? Ist das, was gerade im Jetzt geschieht abgehoben und von der Wirklichkeit getrennt? Nun, meine eigene langjährige Erfahrung, sowie die Erfahrung meiner Kollegen und Teilnehmer zeigt deutlich: Was sich in einem Walk oder in einer Familienaufstellung zeigt, hat sehr viel mit der Rolle zu tun. Sogar direkt im Kurs, während des Prozesses selbst, ist der Teilnehmer oft verblüfft, wie direkt, wie genau und wie "auf den Punkt" gebracht die Rolle sich durch den Stellvertreter manchmal zeigt. Es zeigen sich z. B. oft die identischen Symptome, die gleichen Ängste, die gleichen Freuden, und die gleichen Formulierungen und Wörter - Hier gibt es, was die Echtheit und Wirklichkeit einer Rolle angeht, unter Fachleuten und Experten keinen Zweifel.

Doch wie ist das möglich, dass Du eine Rolle so deutlich spüren kannst? Wie ist es möglich, dass Du etwas wahrnimmst, was mit Dir nicht direkt etwas zu tun hat - ja etwas, das Du eigentlich gar nicht wissen kannst? Nun, die Erfahrung zeigt, dass die Rolle bloß nicht "direkt" etwas mit Dir zu tun hat und Du bloß "eigentlich" nicht wissen kannst, was die Rolle ausmacht. Die Erfahrung mit WIYS drängt uns zu der Annahme, dass es etwas geben muss, dass uns irgendwo miteinander verbindet, etwas, das wir alle gemeinsam haben. "Empathie" ist im Grunde das Wissen um unser Einssein. Es ist das Wissen von der tiefen Verbundenheit zu Allem und Jedem. Etwas in uns weiß, dass uns etwas verbindet, obwohl wir diese Verbundenheit nicht mit den Augen sehen können, nicht berühren und auch nicht schmecken können. In jedem Walk können wir das Einssein erfahren; wir können es erleben, und deshalb brauchen wir es nicht zu "glauben".

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir es in unserem alltäglichen Leben gewohnt sind, stets bloß unser eigenes "Selbst"-Programm eingeschaltet zu haben. Jedoch sind andere Programme genauso möglich, wie es WIYS und Familienaufstellung immer wieder zeigen wenn jemand eine Rolle inne hat. Wir müssen sozusagen nur den Kanal finden, auf dem ein anderer Sender ausgestrahlt wird, und dazu verwenden wir die bekannten Methoden.

Es gibt aber offensichtlich auch Menschen, denen die Fähigkeit gegeben ist, von sich aus, ohne Zuhilfenahme einer bestimmten Methode, diese Kanäle zu empfangen. Solche Menschen werden dann Künstler, Wahrsager oder, im schlimmsten Fall - verrückt. Jedenfalls müssen Sie nicht "glauben", sondern dürfen wissen.

   
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